Wenn’s steinig wird: Über drei Weine des Weingut Lithos am Mittelrhein

von Fräulein Rebe
Weingut Lithos

Manchmal ist der Weg zu gutem Wein recht steinig – vor allem, wenn man am Mittelrhein anbaut: Steillagen und schroffe Felsrücken prägen das Bild zwischen Bingen und Bonn, und die Weine des Weingut Lithos in Oberwesel.

Schroff, rau, kantig– so thronen steilen Gesteinslagen mit ihren Schieferböden entlang des Rheintals. Gerade einmal 470 Hektar Fläche umfasst das Anbaugebiet Mittelrhein. 2,5 Hektar davon gehören Christian und Kristina Theodoropoulos, die seit 2015 das Weingut Lithos in Oberwesel bewirtschaften. Lithos ist das griechische Wort für Stein oder Fels. Es ist aber auch Markenzeichen für Weine, die trotz (oder gerade wegen?) ihrer ruppigen Umgebung zu feinen Schätzen heranreifen.

Neuer Schwung in Oberwesel

Als Christian mit seiner Frau das Weingut im Örtchen Oberwesel übernommen hat, hieß es erstmal: Ärmel hochkrempeln, denn dem 350 Jahre alten Traditionsbetrieb verpassten die beiden neuen Schwung – was sich vor allem in den Weinen zeigt: Winzer Christian lässt sehr aromaintensive, ausgewogene und zugängliche Weine entstehen. Wie für die gesamte Region typisch setzt auch er auf Riesling, Spätburgunder und Müller-Thurgau. Die Etiketten sind modern gestaltet und spiegeln Christians Haltung zum Wein wider: unkompliziert, geradlinig, nach vorne gerichtet. Drei seiner Weine durfte ich probieren.

Der feinherbe Riesling vom Weingut Lithos beherrscht das perfekte Süße-Säure-Zusammenspiel

Fruchtig und feinwürzig: Die Cuvée „Der Weiße“

Der Weiße ist eine Cuvée aus Müller-Thurgau, Faber und Kerner. Mit 12,5 % Vol. kein Fliegengewicht, aber im Geschmack unglaublich süffig und leicht. Der Weiße  schmeckt nach reifen, gelben exotischen Früchten wie Mango, Banane und Ananas. Hinzu kommt eine tolle Säure-Süße-Balance. Salzige Noten und würzige Aromen bilden den Abschluss ohne zu dominant zu sein und machen den Wein zu einem eleganten Essensbegleiter. Ein Wein, der funktioniert.

Feinherbes Süße-Säure Zusammenspiel: Der Riesling Engehöller Goldemund

Ein feinherber Riesling? Normalerweise nicht meine erste Wahl, aber ich war neugierig. Der Wein ist mit 12,5 % Vol. wie „Der Weiße“ auch kein Leichtgewicht. Die Ausgewogenheit zwischen Süße und Säure macht ihn aber zugänglich, leicht und einfach trinkbar. Auch aromatisch passt alles zusammen: die mineralische Würze vom Schieferboden schmecke ich genauso wie gelbe Früchte, Pfirsich, Apfel und Zitrone. Ein saftig-spritziger Wein, bei dem Süße und Säure perfekt harmonieren. Toller Wein!

Tanninarmer Gentleman: Der Spätburgunder Barrique

Zwei Jahre hat der purpurrote Spätburgunder von der Steillage im gebrauchten Holzfass verbracht bevor er den Weg in die Flasche gefunden hat. Das Ergebnis: ein sehr eleganter, ausgewogener Rotwein mit wenig Tannin und umso mehr Aroma. Die Reife im Holzfass schmeckt man, bleibt aber dezent. Ein Wein ohne Ecken, ohne Kanten – ein echter Gentleman unter den Rotweinen ohne langweilig oder tröge zu sein. Kirscharoma dominiert in Nase und Mund, hinzukommen Gewürzaromen wie Nelke und Vanille. Ich empfehle diesen Wein allen, die mit allzu wuchtigen Rotweinen Probleme haben. Hier bekommt man einen sehr feinen, aromatischen und vollmundigen Spätburgunder.

Griechischer Wein am Mittelrhein?

Die Entscheidung, das Weingut Lithos zu nennen, hat nicht nur mit den felsigen Lagen des Mittelrheins zu tun. Das griechische Wort ist auch die Verbindung zu Christians Familie, die ihre Heimat auf der griechischen Halbinsel Peleponnes hat. Die Familie besitzt dort ein kleines Weingut und produziert Wein aus der Rebsorte Agiorgitiko. Als Christian seine Winzerausbildung abgeschlossen hat, reiste er zu seinem Onkel aufs Weingut – und bereitet den Wein seither nach seinen eigenen Vorstellungen. Heute lässt er den Wein durch seinen Onkel abfüllen und verkauft ihn als Rotwein „Anonimo“ ebenfalls im Weingut Lithos – griechischer Wein vom Mittelrhein eben 😉

Fazit

Das Weingut Lithos produziert Weine, die qualitativ hochwertig gefertigt wurden und ohne allzu scharfe Kanten und übermäßige Ecken Spaß machen. Es sind wunderbare Alltagsweine, Essensbegleiter und Alleinunterhalter, die vor allem Weinanfänger begeistern dürften. Wer schon mehr Erfahrung mit Wein gemacht hat, dem wird die Komplexität und Vielschichtigkeit fehlen. Insgesamt passt das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut und ich kann die Weine jedem empfehlen, der Lust auf gut gemachtes easy drinking hat.

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