Weinprobe zuhause – so klappt’s + Vorlage

von Fräulein Rebe
Weinverkostung

Weinprobe zuhause? Kein Problem! Mit diesen Tipps gestaltest Du die heimische Verkostung wie ein Profi.

Auf die Reihenfolge kommt es an

Die Reihenfolge der zu verkostenden Weine ist wahrscheinlich das wichtigste Element einer gelungenen Weinprobe – egal ob beim Weinhändler oder zuhause am Esstisch. Grundsätzlich gilt:

  • Ein prickelnder Schaumwein läutet die Weinprobe ein. Danach folgen Weiß- und Roséweine. Erst dann fließen die Rotweine bevor eventuell ein Süßwein wie eine Beerenauslese oder ein Eiswein den Abschluss bildet.
  • Alkoholgehalt: steigere dich in der Reihenfolge von leichten Weinen zu schweren, körperreichen Weinen mit ordentlich Volumenprozent.
  • trocken vor süß: trockene Weine mit wenig Restzucker sind stets vor halbtrockenen, lieblichen oder sogar süßen Weinen zu verkosten.
  • Alter: jüngere Weine probiert man bei der Verkostung vor den älteren Semestern.

Wieviele Weine bei der Verkostung ins Glas fließen, entscheidest Du mit Deinen Gästen. Wer nicht viel falsch machen will, startet mit einem trockenen, leichten Schaumwein (z.B. ein Winzersecco), verkostet dann zwei Weißweine, zwei Rotweine und zum Abschluss einen Süßwein. Wer mag, öffnet nach den Weißweinen noch einen Roséwein. Bei den Weiß- und Rotweinen wählst Du am besten möglichst unterschiedliche Tropfen: jeweils einen leichten und einen körperreichen zum Vergleich.

Damit die Weinprobe nicht schon nach dem zweiten Wein eskaliert, solltest Du nur sehr wenig Wein pro Glas ausschenken. Die Faustregel lautet: eine 0.75 Liter Flasche reicht für etwa 12 Gläser.

Eindrücke notieren

So könnte eine Verkostungsnotiz aussehen

Es gibt jede Menge zu entdecken bei einer Weinprobe. Wer regelmäßig eine Weinprobe veranstaltet oder am Ende der Verkostung die Weine nochmal vergleichen möchte, notiert seine Eindrücke in einer sogenannen Verkostungsnotiz. Eine kostenlose Vorlage für eine solche Notiz kannst Du dir hier herunterladen und ausdrucken.

Das Notieren der Eindrücke hilft auch, die eigenen Sinne zu schärfen und die richtigen Worte für das zu finden, was man riecht, schmeckt und sieht. Die Notizen sind ganz persönlich: notiere, was Dir einfällt und beschreibe den Wein so wie es dir am einfachsten fällt. Zur Unterstützung kannst Du Dir und Deinen Gästen auch das Aromarad des Weins auf den Tisch legen. Ich selber nutze die Aromaräder für Weiß- und Rotweine vom Deutschen Weininsitut. Auf dem Rad sind alle gängigen Aromen, die im Wein vorkommen, aufgelistet und in Aromagruppen unterteilt. So kann man sich von relativ allgemeinen Aromen wie „fruchtig“ oder „würzig“ zu einer sehr konkreten Weinbeschreibung vorarbeiten – und gemeinsam seine Eindrücke diskutieren.

Auf die Augen, Nase, Zunge, fertig – los!

Bei der Weinprobe sind die Sinne gefragt. Der Geschmack des Weines ist wichtig, aber nicht alles, wenn es um die Verkostung eines Weines geht. Auch Augen und Nase sind gefragt. Die meisten Leute lassen sofort das Handgelenk kreisen und setzen zum Schwenken an bevor sie den Wein beschnuppern oder sogart trinken. Bei Deiner Weinprobe solltest Du vor dem ersten Schwenk schon mal die Nase ins Glas halten und einen kleinen Schluck probieren. Erst dann lässt Du das Glas kreisen, denn beim zweiten Riecher und beim zweiten Schluck wirst Du ein ganz anderes, intensiveres Geschmackserlebnis haben. Bevor es aber um den Geschmack geht, lass uns auf die Farbe des Weins schauen: Welche Farbe hat der Wein? Leuchtet er goldgeld oder eher wässrig hellgelb? Ist die Farbe ein braun-rotes Ziegelrot oder ein tiefdunkles Schwarzrot?

ziegelrot
purpurrot

Die sogenannten „Kirchenfenster“ (oder Tränen) – die Schlieren, die der Wein am Glasrand hinterlässt – geben Aufschluss über seine Viskosität (Dickflüssigkeit) und damit über seinen Alkoholgehalt (je geringer die Abstände zwischen den Kirchenfenstern sind, desto höher ist der Alkoholgehalt).

Und was riecht die Nase? In der Nase gibt der Wein schon einen ersten Eindruck, was Dich geschmacklich erwarten könnte – ganz oft unterscheiden sich Duft und Geschmack eines Weines auch sehr. Beim Riechen nur kurz und mehrmals hintereinander die Nase ins Glas halten, schwenken und nochmal ansetzen.

Wenn Du das Glas ansetzt, solltest Du vor allem darauf achten, den Mund nicht allzu voll zu nehmen. Kleine Schlücke unterstützen dich dabei, die Aromen im Wein zu erfassen. Lass den Wein ruhig ein paar Sekunden auf der Zunge und beobachte, wie sich der Geschmack verändert.

Und, wie schmeckt’s?

Die Verkostungsnotiz gibt dir die Orientierung, wie Du den Wein am besten beschreiben und erfassen kannst: ist der Wein körperreich, also schwer, oder eher leicht und süffig? Bleiben die Aromen noch lange am Gaumen haften (ein langer Abgang deutet auf eine hohe Qualität hin)? Wie sieht’s mit Tanninen, also den Gerbstoffen aus – kratzt der Wein im Hals oder schmeckt er weich, rund und cremig? Schmeckt der Wein eher sauer oder süß – oder halten sich Säure und Süße gekonnt die Waage? Wirkt der Wein kühl, erdig, mineralisch oder saftig und fruchtbetont? Bemerkst Du vegetatible Noten wie Heu, Gras oder sogar Gemüse? Bleib offen in Deiner Wahrnehmung und notiere, was Dir in den Sinn kommt – nur so schulst Du Deine Sinne und hast noch mehr Spaß am Weingenuss.

Brot und Wasser

Was bei keiner Weinprobe fehlen darf: Brot und Wasser. Sie helfen beim Neutralisieren, sodass der Gaumen von all den Aromen nicht allzu schnell überfordert ist. Achte beim Wasser darauf, dass nicht zu viel Kohlensäure enthalten ist. Beim Brot macht sich ein klassisches Baguette ganz gut auf dem Tisch. Auf Käse und Wurst solltest Du bei der Verkostung verzichten, schließlich stehen die Weine im Mittelpunkt und würzige Speisen verfälschen die Geschmackswahrnehmung beim Trinken.

Die passenden Gläser

Die wichtigsten Weingläser im Überblick

Nicht jeder Wein passt in jedes Glas. Bei der Auswahl des richtigen Glases gibt’s einiges zu beachten. Die wichtigsten Regeln bei der Glasauswahl findest Du in einem eigenen Blogartikel. Solltest Du nicht so viele unterschiedliche Gläser zu hause haben, tut es für die Weinprobe auch ein Satz Universalgläser, die sich für Weiß- und leichte Rotweine eignen. Beachte aber, dass aromastarke Weine – vor allem Rotweine und fassgereifte Weißweine – ihr ganzes Können erst im passenden Weinglas zur Geltung bringen. Um den Unterschied zu verstehen, probiere einen Wein aus unterschiedlichen Gläsern.

Fazit

Eine Weinprobe zuhause ist kein Hexenwerk. Mit guter Vorbereitung, der passenden Weinauswahl und Spaß beim Entdecken und Probieren gelingt die Verkostung in jedem Wohnzimmer. Und wie bei allem gilt: Mit ausreichend Übung und Geduld lässt sich jeder Wein beschreiben. Aromarad und Verkostungsnotiz können Dir dabei helfen, den Rest erledigen Augen, Mund und Nase.

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