Chile vs. Frankreich: Syrah im Vergleich

von Fräulein Rebe
Syrah im Vergleich

Zwei rote Schwergewichte treten gegeneinander an: Der rubinrote Syrah aus dem südlichen Rhône-Tal erhebt den Korken gegen seinen violetten Kontrahenten aus der Valle Colchagua. Wer sichert sich seinen Platz im Weinregal und wer muss sich nach ein paar Schlücken geschlagen geben?

Der Herausforderer: Syrah „Yaku“ 2018 von den Bodegas Santo Domingo in Chile

Den Trauben im chilenischen San Fernando weht eine kühle Brise Pazifikluft um den Rebstock. Etwa 400 Meter über dem Meeresspiegel wachsen mitten im Valle Colchagua die Syrah-Trauben von Mario Silva Cifuentes, dem Chef der Bodegas Santo Domingo. Die Vorraussetzungen, um guten Wein herzustellen, sind in Chile besonders gut. Die warmen Temperaturen lassen das Aroma in den Trauben reifen, die kühlen Meeresbrisen verhindern einen zu starken Alkoholanstieg und die sich im Tal schlängelnden Anden-Flüsse sorgen für nährstoffreiche Böden.

Der Yaku im Profil

Yaku Syrah 2018
Syrah 2018 aus Chile, Valle Colchagua

Da passt auch der Name des Herausforderers: Yaku, was soviel bedeutet wie „das reine Wasser der Anden“. In der Flasche steckt aber mehr als nur Wasser: 100% Syrah mit einem Alkohol-Kampfgewicht von 14% vol.

Mit 3,4g Säure/Liter und 3,0g Zucker/Liter ist der Wein ein ausgeglichender trockener Rotwein. Seine volle Kraft hat er im Stahltank reifen lassen bevor er 4 Monate im Holzfass nochmal an Gewicht zugelegt hat. Im Glas zeigt er sich mit einem tiefen Violett auf. Nachdem der Yaku ausreichend Zeit (etwa 1 Stunde) im Dekanter verbracht hat, tritt er auch in der Nase auf: Fruchtige Beerenaromen dominieren, Pflaume, Kirsche und vor allem Cassis machen sich breit, ein bisschen Pfeffer mischt sich dazu. Und im Mund? Das intensive Beerenaroma setzt sich fort. Hinzu kommen Schokolade, Pfeffer, würzige Aromen. Insgesamt wirkt der Wein sehr samtig, zwar tanninbetont und körperreich, aber eben nicht unangenehm aufdringlich.

11.300 Kilometer zwischen Syrah und Syrah

Der Yaku kann es auf jeden Fall mit seinem französischen Kontrahenten aufnehmen. Das liegt auch daran, dass die beiden mehr verbindet als nur die gleiche Rebsorte. Chile – und insbesondere seine Binnentäler um die Valle Central – sind bekannt für ihre Bordeaux-Cuvées (aus Cabernet Sauvignon, Carmènere, Merlot und Cabernet Franc). Die Trauben aus dem Bordeaux gelangten im 19. Jahrhundert nach Chile vor allem wegen der Reblausplage in Europa und besonders in Frankreich. Die Bodegas Santo Domingo und Winzerfamilie Silva haben – wie die Syrah-Traube auch – ihre Wurzeln im Bordeaux. 11.300 Kilometer trennen das Bordeaux von der Valle Colchagua. Und doch sind sich die Regionen näher als die Luftlinie vorgibt: Seit 4 Generationen bewirtschaftet Familie Silva ihre Anbauflächen im Valle Colchagua mit Erfolg: es entstehen Weine, die das warme südamerikanische Klima und die lehmig, sandigen Böden mit französischer Winzer-Tradition verbinden. Das belegen auch zahlreiche Auszeichnungen.

Der Yaku tritt stark auf im Glas. Zeit, das Etikett seines französischen Duellanten unter die Lupe zu nehmen.

Grand Marrenon 2017 aus dem AOC Luberon im südlichen Rhône-Tal

Grand Marrenon 2017
Grand Marrenon 2017 aus dem südlichen Rhône-Tal in Frankreich

Im zweiten Rotweinglas tritt an: Der Syrah vom Weingut Grand Marrenon aus dem südlichen Rhône-Tal. Mit einem Alkoholgehalt von 14,5% vol. kann er seinem chilenischen Kontrahenten locker den Wein reichen. Und im französischen Rhône-Tal spielt ihm noch dazu der Heimvorteil ins Glas: Die Region setzt fast ausschließlich auf Rotwein, der bekannteste dürfte der Châteneuf-Du-Pape sein. Wer mit solchen Kalibern trainiert, steigt gut gerüstet in den Wein-Ring: 70% Syrah trifft auf 30% Grenache Noir, 12 Monate Reifezeit im französischen Eichenfass. Die Reben wachsen auf den steinigen, kalkhaltigen Böden des Luberon ganz im Süden der Region auf einer Höhe von rund 400 Metern über dem Meeresspiegel (und sind damit genauso hoch gelegen wie die Trauben des chilenischen Yuka). Und wie in Chile profitieren die Trauben von kalten Winden, warmen Temperaturen und nährstoffreichen Böden dank der Rhône. Gleiche Bedingungen also trotz 11.000 Kilometer Distanz?

Der Grand Marrenon im Profil

Grand Marrenon im Vergleich zum Yuka aus Chile
Grand Marrenon im Vergleich zum Yaku aus Chile

Frablich funkelt die Cuvée rubinrot. Auch der Grand Marrenon braucht seine Zeit bevor er den Weg zur Nase findet: Bei diesem Wein dominieren dunkle Beeren, Brombeere, Kirsche, Cassis. Hinzu kommen herzhafte Aromen von Tabak, Leder und Pfeffer. Insgesamt duftet der Wein intensiver als der chilenische Yaku. Im Mund und am Gaumen merkt man die längere Reifezeit im Barrique: Holznoten machen sich bemerkbar zwischen Kirschen und Beeren. Es mischen sich Noten von Pfeffer, Olive und Pflaume. Der Wein wirkt kräftiger und körperreicher, auch tannin- und säurebetonter als der Syrah aus Südamerika. Insgesamt ein sehr komplexer Wein mit Struktur und intensiver Aromatik.

rubinroter Syrah
Die Cuvée leuchtet rubinrot im Weinglas

Wir haben es mit einem Schlagabtausch auf Korkenhöhe zu tun.

Sieg nach Punkten, kein K.O.

Beide Weine haben sich gut im Weinglas geschlagen und beide haben sich einen Platz im Weinregal verdient. Gewonnen hat ganz knapp die Syrah-Cuvée aus Frankreich. Überzeugt haben mich die intensive Aromatik und die komplexe Struktur. Beide Weine sind tanninbetont, aber nicht kratzig oder unangenehm herb. Stattdessen wirken sie jeweils samtig und ausgewogen mit Aromen von dunklen Beeren im Vordergrund. Beim Grand Marrenon ergänzen die würzigen Noten das Geschmacksprofil, während der Yaku sehr fruchtbetont und beerig daherkommt.

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