Wüsten-Wein: Über den Naturwein Naturaleza Salvaje

von Fräulein Rebe
Azul y Garnaza

Wein aus der Wüste? Ja – das gibt’s, ganz ohne sandigen Beigeschmack! Das kleine Weingut Azul y Garanza im spanischen Navarra kreiert besonders ehrliche Naturweine – und das mitten in Europas größter Halbwüste.

42.500 Hektar groß ist Europas größte Halbwüste: die Bardenas Reales, ein Naturpark im spanischen Navarra gelegen. Vor fast 20 Jahren hat die UNESCO das Gebiet zum Biosphärenreservat ernannt. Weltweit gibt es rund 700 solcher Reservate, in Deutschland sind es 16 Gebiete, darunter der Spreewald oder das Hamburgerische Wattenmeer. Es sind Gebiete, in denen nachhaltiges Wirtschaften, Naturschutz und Forschung gefördert werden.

Vielleicht nicht der perfekte Ort für ein klassisch spanisches Weingut mit protzigem Keller und prächtigen Rebstöcken. Allerdings der perfekte Ort für das Weingut Azul y Garnaza. María, Dani und Fernando betreiben die kleine Naturwein-Bodega seit über 20 Jahren. Es sind kleine Parzellen in den Bardenas Reales, auf denen teilweise über 100 Jahre alte Rebstöcke wurzeln. Sie reichen tief in die Sand- und Kalkböden der Halbwüste, denn nur so halten die Reben den hohen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht stand. Extreme Trockenheit und kalte Winde kommen noch oben drauf. Und oben heißt: auf über 400-500 Metern – so hoch liegen die Anbauflächen.

Du kannst nicht gegen die Natur gehen, Du kannst nur mit ihr gehen

Ganz im Sinn der Natur, die das Bild der Bardenas Reales prägt, betreiben María und die beiden Jungs ihren Weinanbau biologisch und sehr nachhaltig. Sie setzen vor allem auf Vielfalt, auf Biodiversität. Das bedeutet, sie pflanzen zwischen den Rebstöcken auch Obstbäume, Sträucher oder Olivenbäume. Diese locken Insekten und Vögel an, die wiederum natürliche Schädlingsbekämpfer sind. Sie schützen die Trauben vor Krankheiten und verteilen als Sporenfänger gleichzeitig die Hefen auf den Schalen. Außerdem unterstützen die unterschiedlichen Pflanzen den Boden: sie reichern ihn mit neuen Nährstoffen an und unterstützen den Boden bei der Wasserspeicherung.

teilweise sind die Rebstöcke von Azul y Garnaza über 100 Jahre als (Bildrechte: Azul y Garnaza)

Azul y Garnaza setzt auch auf grünen Dünger: die abgeschnittenen Blätter, Stiele und Zweige der geernteten Trauben bleiben auf dem Boden zurück und reichern ihn mit neuen Nährstoffen an. Strukturelemente aus Holz und Stein prägen ebenfalls die Anbaufläche: Sie dienen Kleintieren, Bienen und Vögeln als Nisthilfe und Unterschlupf. Zudem hat die drei Weingutbesitzer ein natürliches Wasserreservoir geschaffen, das zahlreichen Vögeln, Fischen und anderen Tieren in der kargen Wüstenlandschaft einen wichtigen Lebensraum schenkt. Auch die angrenzenden Waldflächen bleiben erhalten als Zufluchts- und Lebensraum für die hemischen Tiere. Insgesamt nehmen die Reben ein wenig mehr als ein Drittel der gesamten Anbaufläche ein. Der Rest gehört der natürlichen Flora und Fauna des Reservats.

Wasserreservoir mitten in den Baldenas Reales
Ein natürliches Wasserreservoir bietet vielen Tieren Lebensraum – mitten in der Wüste (Bildrechte: Azul y Garnaza)

Vielfalt voraus!

Alles, was in den Weinbergen des Weinguts entsteht passiert so, wie es die Natur eben zulässt. Heterogenität und Vielfalt sind für die drei Weinmacher Maßgabe für ihre Arbeit und in Konsequenz für den Wein. Das Zusammenspiel all dieser Akteure – ob Insekten oder Obsträucher – hat Einfluss auf den Wein: die Trauben werden ausgewogen mit Nährstoffen aus dem Boden versorgt und können trotz des widrigen Klimas ausreichend Aromen und Fülle entwickeln. Hier passiert Weinherstellung auf die naturbelassenste Art und Weise – ohne chemische Hilfsmittel, ohne Ertragsmaximierung, ohne Schnickschnack.

Das Ergebnis: unfiltrierter, orangefarbener Naturwein

Ein Ergebnis dieser Anbauweise ist ein außergewöhnlicher Naturwein mit Namen „Naturaleza Salvaje“, was so viel heißt wie „wilde Natur“. Gekeltert ist der Wein aus 100% Garnacha Blanca, einer Weißweinsorte, die vor allem in Nordspanien und Frankreich bekannt ist. Gerade einmal 11,5% vol Alkohol hat der Naturwein, dafür aber umso mehr Aroma. 10 Tage hat der Wein gegärt, 5 Tage davon mit Schalenkontakt. Entstanden ist ein naturtrüber, orangefarbener Naturwein – unfiltriert und ungeschwefelt. Die Antioxidatien auf der Beerenschale reichen aus, um den Wein haltbar zu machen. Zusätzliche Schwefelgabe ist also nicht notwendig.

Naturwein aus Europas größter Halbwüste
Naturtrüber Orangewein von Azul y Garnaza

Und wie schmeckt er nun? In der Nase kitzeln Aromen von Orange, Apfel und Apfelmost. Geschmacklich erinnert mich der Naturwein sehr an Cidre und Apfelmost. Auch Aromen von Kräutern kommen durch. Die Gerbstoffe sind deutlich, aber nicht störend. Der Wein schmeckt leicht, erfrischend und doch ungewohnt und – typisch Orangewein – anders als konventioneller Weißwein.

Fazit

Das Weingut Azul y Garnaza lebt eine unglaublich tolle Philosophie des nachhaltigen und naturbelassenen Weinbaus – und das in einer für Weinanbau sehr unwirtlichen Gegend. Die Natur, Reben, Tiere und Pflanzen sind die prägenden Akteure und ergänzen sich perfekt im Zusammenspiel. Das schmeckt man dann auch. Der Wein schmeckt sehr intensiv und nichts für jeden Tag und wahrscheinlich auch nichts für jedermann. Wer offen ist für Naturweine und keine Scheu vor Orangeweinen hat: zugreifen! Hier bekommt man außerordentliche Qualität in der Flasche, Leidenschaft fürs Natürliche inklusive.
Alle Infos zum Weingut und Bilder findet ihr hier.

Übrigens: ihr habt Lust auf Naturwein bekommen? Na dann solltet ihr auch den Trafalgar von der Domaine Mâmârutá probieren!

Werbung/Produktempfehlung

0 Kommentar(e)

Hinterlasse einen Kommentar

*Mit der Nutzung der Kommentarfunktion erklärst Du Dich mit der Verarbeitung Deiner Daten einverstanden. Informationen dazu findest Du in der Datenschutzerklärung.