Eine Jungwinzerin in der Bierhochburg – über Kerstin Laufer und ihre Weine

Willkommen in Oberfranken – Land der Brauereien. Bier ist auf diesem Flecken Frankens Kulturgut, Heimat, Identität: auf rund 1,1 Millionen Oberfranken kommen über 170 Brauereien, rund 3500 verschiedene Biere – und Jungwinzerin Kerstin Laufer, die lieber zum Burgunder als zum Weizen greift.

Jedes Jahr im Sommer tauschen die Oberfranken den Bierkrug gegen ein Weinglas und pilgern zur Burg Lisberg im Bamberger Umland. Dann wird nämlich beim Burgfest gelacht, geschnattert, getrunken – und das ganze vier Tage lang. Ein Weinfest in der Bierhochburg Oberfranken? Mutig! Was es braucht, um den bierverliebten Frangn zum Schoppen zu bewegen, das weiß Jungwinzerin Kerstin Laufer.

Kerstin Laufer im Weinberg (Bidlrechte bei Kerstin Laufer)
Kerstin im Weinberg (Bildrechte bei Kerstin Laufer)

Als Teil einer Winzerfamilie wusste Kerstin schon früh, dass ihr Herz für Reben schlägt. Nachdem sie sich zur Winzerin ausbilden ließ hing sie noch die Ausbildung zur Steuerfachangestellten dazu. Wein verkauft sich schließlich nicht nur wegen eines guten Rebenschnitts, auch die Buchhaltung muss laufen, und Kerstin kümmert sich gerne ganzheitlich um das, was ihr wichtig ist. Was ihr noch fehlte: technisches Weinbau-Know-How – also packte sie die Ausbildung zur Techniker für Weinbau und Önologie oben drauf. Mit 27 Jahren weiß Kerstin also genau, was sie tut. Und das schmeckt man auch.

Schwarz und weiß – Kerstins „KL-Weine“

Mit ihrer eigenen Weinlinie „KL-Weine“ verwirklicht sie ihre eigene Vorstellung von gelungenen Weinen, die Spaß machen, spannend sind und die Haltung modernen Weinanbaus zum Ausdruck bringen. Sie experimentiert, verlässt sich aber auch auf ihre Erfahrung und das Wissen, das sie während der Arbeit in den Weinbergen und im Keller gewonnen hat. So hat sich Kerstin entschieden, zwei Richtungen mit ihren Weinen einzuschlagen: Weine mit einem weißen Etikett sind klassisch ausgebaute Weine – ohne Schnickschnack, ohne allzu spitze Kanten, dafür von hoher Qualität, mit viel Herzblut und fränkischer Handschrift. Die Weine mit einem dunklen Etikett stammen aus Kerstins Experimentierküche: lange Reifzeiten im Holzfass, Trauben von alten, knorrigen Rebstöcken und straffe Tannine finden sich in diesen Premium-Weinen wider.

Bacchus von KL-Weine
Der Bacchus von Kerstin Laufer gehört zu den Basic-Weinen der KL_Linie und schmeckt wunderbar fruchtig nach Orangen- und Zitrusaromen.

On the road – zwischen Sommerach und Unterhaid

Das Besondere an Kerstin und ihren Weinen ist aber nicht nur der Standort in Oberfranken, sondern vielmehr die Unterschiedlichkeit der Böden, auf denen die Trauben für ihre Weine wachsen. Vom Main über den Steigerwald bis zum östlichsten Weinanbaugebiet Frankens, Unterhaid, reichen die Weinberge, die Kerstin und ihre Familie bewirtschaften. Das sind rund 80 Kilometer vom einen bis zum anderen Ende – ein logistischer Aufwand, der sich aber lohnt: die kalkhaltigen Böden am Main bringen andere Aromen in die Weine als beispielsweise die Keuperböden im Steigerwald.

Das bringt Vielfalt ins Glas und Schweißperlen auf die Stirn, wenn es um’s richtige Timing geht. Denn auch das Klima ist unterschiedlich: so sind die Temperaturen rund um den Main 2 bis 3 Grad wärmer als im oberfränkischen Lisberg, wo den Reben die Bierfahne um den Rebstock weht – das heißt Chance und Risiko zugleich. Deswegen ist Kerstin entweder im Weinberg unterwegs oder auf der Straße, um die insgesamt 7 Lauferschen Anbauflächen im Blick zu behalten.

Im Glas: Pinot Noir 2015 und Bacchus 2017

Als ich Kerstin bei einer kleinen Weinmesse in Nürnberg kennengelernt habe, durfte ich ihren Pinot Noir 2015 probieren. Rund 2 Jahre hat der Tropfen im Holzfass verbracht, die Spätburgunder-Trauben sind auf den Hügeln in Sommerach groß geworden. Ein fruchtig, beeriger Rotwein – typisch Spätburgunder -, der aber die Röstaromen des Holz nicht dominieren lässt. Der Wein ist auch nicht allzu fruchtig, vielmehr stehen die Tannine im Vordergrund und würzig-pfeffrige Aromen. Insgesamt pendelt der Wein sehr ausgewogen zwischen den typischen Holzfassaromen und dem Geschmack von Waldbeeren ohne es sich im Mund zu breit zu machen. Mit 13,5% Vol. kein Fliegengewicht, aber das muss auch so sein.

Den Bacchus von Kerstin Laufer dagegen habe ich bei der Weinhändlerin meines Vertrauens gekauft. Er gehört zu den Basic-Weinen der KL-Weinlinie und ist ein klassischer Weißwein mit ordentlich Frucht und sommerlicher Leichtigkeit. Mit 12% Vol. hat er doch schon Gewicht, aber die frische Säure, seine fein würzige Muskatnote und die Zitrus- und Orangenaromen machen den Wein sehr süffig. Noch dazu ist der Bacchus ein typisch fränkischer Wein (womit Kerstin in der Nachbarschaft sicherlich Pluspunkte gesammelt hat). In der Nase erinnert er an eine Scheurebe. Als Essensbegleiter funktioniert der Bacchus genauso wie solo auf Balkonien.

Wer es Ende Mai nicht aufs Burgfest in Lisberg geschafft hat, der kann sich natürlich trotzdem durch Kerstins Weine schlürfen: in der neu geschaffenen Vinothek genießen Weinfreunde (und auch willige Bierfans) die Lauferschen Tropfen in einem modernen, geradlinigen Ambiente inmitten der Burg Lisberg.

Ihr wollt Kerstin Laufer kennenlernen? Dann besucht sie doch einfach auf der Burg Lisberg und probiert ihre Weine. Alle Infos zu Kerstin findet ihr unter www.kl-weine.de

Übrigens: Wer Kerstin in action erleben will, wernervino hat sie letztes Jahr zum Videodreh getroffen – schaut mal rein.

Werbung (Markennennung / Eigenkauf) nicht beauftragt.

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