Welches Glas passt zu welchem Wein?

Ein spannender Wein fühlt sich nicht in jedem Glas wohl. Dabei katapultiert das richtige Weinglas so manchen Wein auf den nächsten Geschmackslevel und sorgt für noch mehr Spaß beim Genießen.

Wer seinen Lieblingsrotwein vom alten Bleikristallkelch mit Rosettengravur in ein hauchdünnes, bauchiges Burgunderglas umfüllt, der weiß: es fühlt sich an wie der Sprung vom Schwarz-Weiß-Fernseher zum Full-HD-Flatscreen – gleicher Film, unterschiedliche Erlebnisse. Und so ist es beim Wein auch. Im richtigen Glas blüht der Durchschnittswein zum Sonntagswein auf und der Favorit im Weinregal wird auf einmal zum absoluten Hammer-mega-Spitzenwein. Aber warum ist das so?

Die Aromen und das Glas

Es geht wie immer beim Weingenuss um die Aromen. Die Form des Weinglases trägt dazu bei, dass sich die Aromen bestmöglich entfalten und dadurch alles tun, um unsere Nase zu beeindrucken. Ein schwerer, intensiver Rotwein, der nur so vor Aromen strotzt, braucht Platz im Glas. Ein bauchiges Burgunderglas beispielsweise bietet dem Wein ausreichend Fläche, sodass er mit Sauerstoff in Berührung kommt und dadurch seine Aromen ihre Kraft entfalten. Anders sieht es bei leichten, frischen Weißweinen aus. Denen genügt ein schmaleres Glas, denn: je mehr Fläche dem Weißwein im Glas geboten wird, desto mehr Fluchtmöglichkeiten haben seine Aromen. Aus diesem Grund laufen die meisten Weingläser auch nach oben hin eng zusammen. Das verhindert, dass die Aromen aus dem Glas ausbrechen und sich verflüchtigen.

Zudem wird ein filigraner weißer Tropfen gerne gekühlt getrunken. In einem kleinen Glas erwärmt sich der Weißwein nicht so schnell wie in einem überdimensionierten Rotweinglas – er wird schneller ausgetrunken und dadurch (hoffentlich auch) schneller aus der gekühlten Flasche nachgeschenkt. Soweit die Theorie.

Für jeden Wein ein eigenes Glas?

Es gibt Gläser in allen Formen, Größen, Qualitäten und Preislagen. Da wird die Wahl des passenden Glases schnell zur Wissenschaft. Wer sich in Sachen Glas nicht verrückt machen will und keinen ausgeprägten Glasfetisch hat, der ist mit drei verschiedenen Glastypen prima ausgestattet: Gläser für kraftvolle, schwere Rotweine (Burgunder- oder Bordeauxgläser), Sektgläser (sogenannte Sekttulpen oder Sektflöten) und einen Satz Universalgläser für Weißweine und leichte Rotweine. Drei Glastypen á sechs Gläser und die Vitrine kann sich sehen lassen. Wer gerne Eiswein oder süße Auslesen trinkt, holt sich noch ein Glas für Dessertweine. Freunde kräftiger Weißweine wie holzfassgereifte Chardonnays können auch zum Burgunderglas greifen.

Für jeden Wein gibt es das passende Glas. Die fünf wichtigsten Typen sind: das Burgunder-Gals für schwere Rotweine, das Universal-Glas für leichte Rotweine oder Weißweine, das Bordeaux-Glas für leichte Rot- oder körperreiche Weißweine,  die Sektflöte und das Likörweinglas.
1. Burgunder-Glas: schwere, kraftvolle Rotweine, 2. Dessertweine, Liköre, 3. Universal-Glas: leichte Rotweine, Weißweine, 4. Bordeaux-Glas: leichter Rotwein, körperreicher Weißwein, 5. Sekttulpe: Schaumweine, Sekt

Stiel oder stiellos?

Es gibt Gläser mit und ohne Stiel. Stiellose Weingläser – auch Tumbler genannt – liegen im Trend und sehen chic aus. Vorteil von langstieligen Gläsern: Die Temperatur des Weins wird nicht so sehr beeinflusst, da das Glas am Stiel gehalten wird und nicht von der Handfläche umschlossen wird. Zudem vermeidet man unschöne Tapper, Fingerabdrücke und Flecken auf dem Glas, wenn es am Stiel gehalten wird.

Die richtige Pflege

Die meisten Gläser sind spülmaschinengeeignet. Wer Handarbeit beim Spülen schätzt, sollte auf ein möglichst parfümfreies Spülmittel achten und beim Trocknen spezielle Glastücher nutzen, um Schlieren zu vermeiden. Gläser immer kopfüber in die Vitrine stellen, damit sie nicht einstauben. Mancher Weinfreund spült das Glas mit einem Schlückchen Wein aus bevor er den Wein serviert. Dieses sogenannte Vinieren befreit das Glas von Seifenresten oder muffigen Gerüchen. Gleichzeitig kleidet der kleine Schluck das Glas mit dem Wein ein und intensiviert dadurch das Geschmackserlebnis. Kann man machen, muss man nicht.

Fazit

Das Angebot an unterschiedlichen Weingläsern ist immens. Mit drei verschiedenen Glastypen kommt man als Weintrinker aber schon gut durchs Weinregal ohne sich zu blamieren. Insgesamt sorgt das passende Weinglas für noch mehr Genuss beim Weintrinken und ist ein Muss für alle, die es ernst mit ihrem Wein meinen. Egal ob handgemacht oder maschinell gefertigt, mit buntem Stiel oder ganz ohne – dem Geschmack sind wie immer beim Wein keine Grenzen gesetzt.

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