Auf ein Glas bei den Winzern Sommerach

Sie zählt zu den ältesten Winzergenossenschaften Deutschlands: Die Winzergenossenschaft Sommerach mit ihren 90 Familien feiert Tradition und lebt Moderne. Bei einem Weinbummel habe ich die Genossenschaft und ihre Weine erlebt.

Das Weinreich der Winzer Sommerach ist eine beeindruckende Vinothek

Auf Kopfsteinpflastern holpere ich im Auto in Richtung Weinreich – der Vinothek und Weinschule der Winzergenossenschaft Sommerach. Sie ist das Herzstück der Winzer und vereint moderne, geradlinige Architektur mit traditioneller Weinkunst. Holz, Glas und Beton dominieren den Bau. Es ist hell als ich die Vinothek betrete und der Schorsch mir erstmal ein „Erwachsenen-Glas“ (= randvoll) Rosé einschenkt. Noch ein bisschen Sonne tanken bevor der Weinbummel startet.

Über den Weinbummel
Zwischen April und Oktober findet jeden Freitag und Samstag um 14 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen um 11 Uhr der Weinbummel bei den Winzern Sommerach statt. Man erfährt mehr über die Genossenschaft und verkostet vier verschiedene Weine an den unterschiedlichen Stationen. Preis pro Person: 15 Euro. Die Anmeldung ist online www.winzer-sommerach.de möglich.

Dann wurde es prickelnd: Zum Auftakt des Weinbummels floss der Frizzante Valentin ins Glas, eine weiße Perlwein-Cuvée mit 11,0 % Alkohol, trocken, leicht, erfrischend. Katrin Jakob, bei der Winzergenossenschaft verantwortlich für den Vertrieb, begrüßt uns und führt uns in die Weinschule im ersten Obergeschoss.

Wissenswertes rund um die Winzer Sommerach

Seit 1901 besteht Frankens älteste Winzergenossenschaft (und eine der ältesten in Deutschland). Auf knapp 200ha Rebfläche entstehen Weine aus 16 verschiedenen Rebsorten. Zu ihren Lagen zählt die Winzergenossenschaft den berühmten Sommeracher Katzenkopf und Rosenberg, den Escherndorfer Lump und Fürstenberg, den Volkacher Ratsherrn, Obereisenheimer Höll, Iphöfer Kalb, Wiebelsberger Dachs, Kammerforster Teufel und die Oberschwarzacher Steige. Geprägt sind die Böden vom Muschelkalk und teilweise vom Gipskeupergestein.

„Trauben lieben karge Böden“

Tatsächlich fühle ich mich im ersten Moment beim Betreten der Weinschule im Obergeschoss ein bisschen an meine Schulzeit erinnert: die Holzbänke und -tische sind geradlinig aneinandergereiht. Pro Bank zwei Personen. „Kein Jahr ist wie das andere“ steht in dicken Lettern an einer der Wände geschrieben. Dazwischen lese ich das Wort „Muschelkalk“ und „Trauben lieben karge Böden“. Darüber rankt ein knochiger Rebstock.

Katrin erklärt uns, dass die Weinschule vor allem für Trainings genutzt wird. Die Winzer Sommerach bieten unterschiedliche Sensorik- und Weinseminare an, zu denen sich jeder anmelden kann. Dann wird erklärt, wie Schokolade und Wein zusammenpassen, welche Aromen sich im Silvaner verstecken oder wie man Käse und Wein am feinsten kombiniert. Darüber hinaus kommen die Mitglieder der 90 Winzerfamilien der Genosschenschaft hier mindestens einmal im Jahr zusammen: Beschlüsse, Abstimmungen, Satzungen usw. liegen dann auf den Bänken und werden diskutiert. Da kann es schon mal eng werden, wenn alle Bänke besetzt sind.

Auf jedem Platz steht ein leeres Weinglas, eine Nasenklammer und eine schwarze Filmdose aus Plastik. Katrin bittet uns, zur Nasenklammer zu greifen, uns die Nase zuzuklemmen und die Augen zu schließen. Anschließend soll jeder mit der Fingerspitze in die Filmdose tippen und probieren, was da auf der Kuppe klebt. Natürlich verrate ich Euch nicht, was wir da schmecken sollten (und es nicht konnten, weil die Nase fehlte. Das sollt ihr ja selber tun). Dass Sensorik – Geschmack und Geruch – beim Wein einfach das Wichtigste ist, hat Katrin nochmals betont, und greift erneut zur Flasche. Wein Nummer zwei fließt in unsere Gläser: typisch fränkisch! Der Silvaner Sommerach aus dem Bocksbeutel schmeckt herrlich frisch nach Apfel, Wiese und Kräutern. Auch der Muschelkalk-Boden bleibt nicht unbemerkt, wenn man den Wein auf der Zunge schaukelt.

Als wir die Weinschule verlassen, um zur nächsten Station zwischen den Rebstöcken aufzubrechen, bleibt mein Blick an den aneinandergereihten gefüllten Gläsern ganz vorne im Raum hängen. Da lag eine Walnuss im Glas, getrockenete Kräuter, Pfefferkörner, eine Vanillestange und allerhand, was ich so gar nicht benennen konnte. „Die Gläser nutzen wir für die Sensorikseminare“, erklärt mir Katrin beim Gehen. Die Teilnehmer lernen, die Aromen zu erriechen und zu benennen. So genießt man den Wein auf eine ganz neue Art und schärft die eigenen Sinne.

Auf zum Katzenkopf

Wir verlassen das Weinreich und gehen wenige Schritte bis wir mitten zwischen den Rebstöcken stehen und zum Sommeracher Katzenkopf aufblicken. Der Katzenkopf ist die Premiumlage der Genossenschaft und zählt zu den bekanntesten Weinlagen in Franken. Im Bollerwagen zieht Katrin die Weingläser und Flaschen für die dritte Verkostungsrunde mit sich: Ich probiere den Weißburgunder, Familiengewächs. Mirabellen, Zitrus, Ananas und Apfel kommen da in Mund und Nase zusammen. Die Winzer Sommerach verzichten seit einigen Monaten darauf, der Klassifizierung deutscher Prädikatsweine zu folgen. So sucht man im Sortiment vergeblich nach Kabinett und Spätlese. Die Winzergenossenschaft orientiert sich dagegen an den EU-Qualitätsstufen, also an einem herkunftsbezogenen System.

Ich genieße den Wein und den Moment so mitten in der Natur umgeben von unzähligen Rebstöcken, die auf die Sonne warten. Katrin erklärt uns, wie die Arbeit der Winzerfamilien aussieht und wie die Genossenschaft unterstützt. Die meisten der Familien sind nur Nebenerwerb als Winzer tätig und verdienen ihr Brot beispielsweise als Handwerker, Ärzte oder Lehrer. In ihrer frieen Zeit kümmern sie sich um die Reben. Die einzelnen Parzellen sind teilweise kleiner als 1000m². Dennoch: die Arbeit im Weinberg ist Tradition, die von allen geschätzt und gepflegt wird. Deshalb packen alle an und helfen sich gegenseitig.

Am Fuße des Katzenkopf blickt man über die Rebstöcke

„Man kennt sich sehr gut – und das seit Generationen“

Die einzelnen Parzellen sind gekennzeichnet und viele der Winzer nutzen Pheromonfallen, um Schädlinge vor dem Befall abzuhalten. Ein neuartiges Bewässerungssystem soll in trockenen Monaten für ausreichend Wasser sorgen und Mischbepflanzung trägt zur Artenvielfalt bei. Hin und wieder fährt einer der Winzer an uns vorbei und grüßt uns lächelnd. Katrin kennt alle beim Namen. Sie stammt selber aus einer Winzerfamilie und weiß, wie wichtig es für die Familien ist, das Winzerhandwerk fortzuführen. „Es ist nicht einfach, Teil der Genossenschaft zu werden“, erklärt sie uns. „Wer eine Parzelle übernehmen und bewirtschaften darf, wird äußerst sorgfältig ausgewählt. Meistens kennt man sich sehr gut untereinander – und das schon seit Generationen.“ Wer sich also Hoffnungen macht, eine kleine Parzelle bewirtschaften zu können – vergesst es!

Der heilige Valentin ziert die Verschlusskappen der Sommeracher Weine. Er ist der Schutzpatron der Winzer.

Ab in den Keller

Die großen Stahltanks türmen sich vor mir auf und reichen in die Dunkelheit. Bis zu 10.000 Liter fasst einer dieser Tanks. Zählen konnte ich sie gar nicht alle. im Nebenraum liegen kleine und große Holzfässer aneinander. Es duftet nach Rotwein und der Boden ist klamm. Das Licht ist gedimmt. In der Mitte steht ein mächtiger Holztisch, auf dem die letzten Gläser für uns bereit stehen. Zum Abschluss des Weinbummels kosten wir die Rieslaner Trockenbeerenauslese. Süßmäuler kommen jetzt auf ihre Kosten (ich auch): 234g Restzucker pro Liter sagen alles. Ein feiner, fruchtiger Süßwein, der in ganz kleinen Schlückchen genossen werden will, krönt unseren Besuch bei den Winzern Sommerach. Nicht ganz. Katrin warnt uns vor: „Jetzt wird es gleich ganz dunkel und ein bisschen laut – nicht erschrecken.“ Eine Stimme aus den Lautsprechern dröhnt durch das Kellergewölbe, ein Katzenkopf leuchtet an der Wand und wir lauschen gespannt der Legende vom Sommeracker Katzenkopf (und auch die dürft ihr Euch selber anhören, wenn wir vor Ort bei den Winzern Sommerach seid). Ein toller Abschluss! Doch bevor es wieder ans Tageslicht geht, zeigt uns Katrin noch ein besonderes Schmankerl.

Zum Abschluss gings in die heiligen Hallen der Genossenschaft: in den Keller. Unterhalb des Weinreichs führen die Treppen in das Kellergewölbe. Entlang der Treppe sind die Namen der 90 Winzerfamilien zu lesen zwischen einigen typisch fränkische Vornamen, die die Winzerinnen und Winzer ebenfalls tragen. „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, die Namen an die Wand zu schreiben. Wir sind stolz auf unsere Winzer und die Familien, die seit Jahrzehnten Teil der Genossenschaft sind und jeder von ihnen macht unsere Weine zu dem, was sie sind“, sagt Katrin beim Heruntergehen. Dann wird’s auch schon kühler.

Alte Schätze

Mit dickem Staub bedeckt liegen hier Bocksbeutel, die über 50 Jahre alt sind. Die jüngeren unter ihnen stammen aus dem Jahr 1987. Jedes Jahr legt die Genossenschaft einige ihrer Weine hier im Keller beiseite. Sie werden teilweise zu besonderen Anlässen verkostet oder verschenkt. Es ist beeindruckend, solche Schmuckstücke zu sehen, die eigentlich gar nicht bewegt werden wollen. Genauso wie ich. Auch wenn ich noch stundenlang den Flaschen beim Liegen zusehen könnte, es geht wieder nach oben.

Fazit

Rund zwei Stunden dauert der Weinbummel durch das Sommeracher Weinreich, den Keller und den Weinberg. Die verkosteten Weine geben einen guten Eindruck von der Vielfalt, die von den Winzern produziert wird. Besonders beeindruckt hat mich das Zusammenspiel von Moderne und Tradition: die Architektur des Weinreichs, die Gestaltung der Flaschen und ihrer Etiketten, die zeitgemäßen Anbaumethoden und das Winzerhandwerk, das immer wieder weitergegeben wird. Es ist toll zu sehen, wie stark die Winzer Sommerach zusammen sind und das schmeckt man auch in ihren Weinen. Zu den Premium-Weinen zählen die Supremus-Linie und die Weinreich E1ns-Weine.

Infos zur Winzergenosschaft Sommerach und zum Weinbummel findet ihr unter www.winzer-sommerach.de

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